Ein feste Burg

Borgholm ist eine Festungsanlage auf Öland, einer Insel an der schwedischen Ostküste. Diese Burg weist an einigen Stellen Mauern auf, die mehrere Meter dick sind. Auf einer Führung durch dieses Gemäuer entdeckte ich einige apfelsinengroße Metallkugeln, die etwa zur Hälfte in die Außenmauer eingedrungen waren. Wie sich auf Nachfragen herausstellte, handelte es sich dabei um Kanonenkugeln, mit der Angreifer versucht hatten, die Burg zu zerstören. Ich habe mich vor Lachen fast nicht mehr eingekriegt. Ich stellte mir vor, welche Erfolgsmeldungen die Kanoniere ihrem Vorgesetzten gemeldet haben müssen: „Melde jehorsamst, Herr Oberleutnant, haben durch massiven Beschuss am heutijen Tach ein Stück in etwa von der Jröße meines Handtellers aus selbigem Mauerwerk zu entfernen versucht.“ – „Tadellose Arbeit, Kanonier Koslowski, der Siech ist unser!“ Nun, die Burg steht immer noch.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir Menschen mit unserem oft sehr begrenzten Verstand auch ebenso wild entschlossen Kanonenkugeln auf die Festung „Gott“ abfeuern. Wie oft wurde diese Festung schon von Menschen angeblich eingenommen und zerstört? Wie oft wurde Gott schon für tot oder abgeschafft erklärt? Diese „feste Burg“ steht immer noch und bietet jedem ihren Schutz und ihre Geborgenheit an, der darum bittet und durch ihr Tor eintritt.

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen!
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
(Martin Luther)